Wichtige Untersuchungs- und Therapieverfahren im Rahmen der Sarkombehandlung
1. Bildgebende Verfahren
Die bildgebende Diagnostik spielt eine zentrale Rolle, um den Tumor im Körper sichtbar zu machen und seine Ausbreitung zu beurteilen. Neben den klassischen Methoden wie Ultraschall, Röntgen, Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) setzen wir auch hochspezialisierte Verfahren ein. Dazu gehört die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) in Kombination mit CT (PET/CT) oder MRT (PET/MRT). Bei der PET wird ein schwach radioaktives Mittel gespritzt, das von aktiven Tumorzellen aufgenommen wird. Dies hilft uns zu erkennen, welche Bereiche des Körpers besonders aktiv sind und möglicherweise Tumorgewebe enthalten. Häufig verwenden wir eine schwach radioaktive Zuckerform ("FDG-PET/CT").
Eine vielversprechende neue Technik für bestimmte Sarkome, wie zum Beispiel den Solitären Fibrösen Tumor (SFT), ist die FAPI-PET. Diese Methode nutzt einen speziellen Marker, der sich gezielt an Bindegewebszellen (Fibroblasten) im Tumor bindet. Dies ermöglicht nicht nur eine präzisere Bildgebung, sondern könnte in Zukunft auch neue, zielgerichtete Behandlungsmöglichkeiten eröffnen.
2. Gewebeentnahme (Biopsie)
Bei der Biopsie entnehmen wir eine Gewebeprobe des Tumors, um dessen genaue Art bestimmen zu können. Es gibt verschiedene Methoden der Biopsie, zum Beispiel die Stanzbiopsie, bei der ein kleines Gewebestück mit einer speziellen Nadel entnommen wird, oder die offene Biopsie, bei der die Probe operativ entnommen wird. Welche Methode zum Einsatz kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Lage, Größe und Beschaffenheit des Tumors.
Besonders wichtig ist: Bei Verdacht auf ein Sarkom sollte die Biopsie unbedingt an einem erfahrenen Sarkomzentrum oder zumindest in enger Absprache mit einem solchen Zentrum durchgeführt werden. Eine nicht fachgerecht durchgeführte Probenentnahme kann sich negativ auf die Heilungschancen auswirken.
3. Feingewebliche Beurteilung/Referenzpathologie
Nach der Entnahme der Gewebeprobe wird diese von spezialisierten Pathologen untersucht. Bei seltenen Tumoren wie Sarkomen ist es besonders wichtig, dass diese Untersuchung durch besonders erfahrene Pathologen erfolgt. Häufig wird die Probe auch an spezialisierte Referenzpathologen weitergeleitet.
Eine präzise Diagnose ist für Sarkompatientinnen und -patienten von entscheidender Bedeutung, um die richtige Behandlungsstrategie wählen zu können. Dabei spielt die genaue Bestimmung der jeweiligen Unterart des Sarkoms eine wichtige Rolle. In vielen Fällen sind weiterführende molekulare Untersuchungsverfahren notwendig, die nicht überall verfügbar sind, um eine Diagnose zu bestätigen oder auszuschließen.
4. Weiterführende molekulare Untersuchungen
Die molekularen Untersuchungen ermöglichen uns einen detaillierten Einblick in die genetischen Eigenschaften und besonderen Oberflächenmerkmale des Tumors. Diese Informationen sind aus zwei Gründen wertvoll: Zum einen helfen sie bei der genauen Diagnosestellung, zum anderen ermöglichen sie dem Behandlungsteam, gezielte Therapien auszuwählen, die speziell auf die genetischen Eigenschaften des Tumors abgestimmt sind. Diese Form der personalisierten Medizin hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht und kann bei vielen Patienten die Heilungschancen verbessern.

5. Operation
Die chirurgische Entfernung des Tumors ist häufig der wichtigste Behandlungsschritt, wenn eine Heilung das Ziel ist. Dabei muss der gesamte Tumor mit einem Sicherheitsabstand entfernt werden, um sicherzustellen, dass keine Krebszellen im Körper zurückbleiben.
Je nach Lage und Größe des Tumors kann die Operation sehr komplex sein- besonders, wenn sich der Tumor in der Nähe wichtiger Organe oder Blutgefäße befindet. Aus diesem Grund sollten Sarkomoperationen nur durch sehr erfahrene, spezialisierte Sarkom-Operateure an einem Sarkomzentrum durchgeführt werden.
Die Art des durchführenden Spezialisten richtet sich nach der Lokalisation des Sarkoms: Bei Knochensarkomen operieren beispielsweise Tumororthopäden, bei Sarkomen im Bauchbereich Viszeralchirurgen und bei Sarkomen im Bereich der Lunge Thoraxchirurgen. In manchen Fällen arbeiten auch mehrere Fachdisziplinen zusammen, um das bestmögliche Ergebnis für die Patientin oder den Patienten zu erreichen.
6. Strahlentherapie
Bei der Strahlentherapie setzen wir hochenergetische Strahlen ein, um Krebszellen zu zerstören. Diese Behandlung kann sowohl vor der Operation durchgeführt werden, um den Tumor zu verkleinern, als auch nach der Operation, um möglicherweise verbliebene Krebszellen zu beseitigen.
Es gibt verschiedene moderne Formen der Strahlentherapie, wie zum Beispiel die intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT). Bei dieser Methode werden die Strahlen sehr präzise auf den Tumor gerichtet, wodurch das umliegende gesunde Gewebe besser geschont wird. In besonderen Fällen kann auch eine Protonentherapie zum Einsatz kommen - ein spezielles Strahlentherapieverfahren, das in Deutschland nur an wenigen Standorten verfügbar ist.
Die Strahlentherapie kann auch zur gezielten Behandlung von Metastasen, zum Beispiel in Knochen, Leber oder Lunge, eingesetzt werden. Moderne Techniken wie die atemgesteuerte stereotaktische Bestrahlung ermöglichen dabei eine sehr präzise und nebenwirkungsarme Behandlung.

7. Medikamentöse Therapie
Bei der medikamentösen Behandlung von Sarkomen kommen Medikamente zum Einsatz, die im ganzen Körper wirken und Krebszellen bekämpfen. Diese systemische Therapie ist besonders wichtig, wenn sich Krebszellen bereits im Körper ausgebreitet haben.
Eine medikamentöse Therapie kann zu verschiedenen Zeitpunkten eingesetzt werden: vor einer Operation (neoadjuvant), um den Tumor zu verkleinern, nach einer Operation (adjuvant), um die Heilungschancen zu erhöhen, oder bei vorhandenen Metastasen, um die Erkrankung aufzuhalten und zurückzudrängen.
Im Rahmen der Behandlung von Sarkomen kommen aktuell weiterhin besonders häufig verschiedene Formen der klassischen Chemotherapie zum Einsatz. Die Wahl der Medikamente hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der speziellen Art des Sarkoms oder individuellen Faktoren der Betroffenen (zum Beispiel Begleiterkrankungen oder Alter). In manchen Fällen können auch zielgerichtete Therapien eingesetzt werden, die auf bestimmte genetische Merkmale des Tumors abzielen.
Im Bereich der Sarkombehandlung wurden für die meisten Sarkom-Arten bisher noch nicht die gleichen Erfolge mit Immuntherapien erzielt wie bei anderen Krebserkrankungen. Bei der Immuntherapie wird das körpereigene Immunsystem für die Bekämpfung der Krebserkrankung aktiviert. Obwohl es bisher keine in Deutschland zugelassene Immuntherapie speziell für Sarkome gibt, kann diese Behandlungsform bei manchen Sarkom-Arten in bestimmten Situationen sehr wirksam sein. Deshalb sollte im Einzelfall durch erfahrene Experten geprüft werden, ob eine Immuntherapie sinnvoll sein könnte.
8. Isolierte Hypertherme Extremitätenperfusion (ILP)
Die isolierte hypertherme Extremitätenperfusion ist ein spezielles Verfahren für Sarkome in Armen oder Beinen, das nur an wenigen Zentren in Deutschland durchgeführt wird. Bei dieser Behandlung wird während einer Operation die betroffene Gliedmaße vom Blutkreislauf des restlichen Körpers getrennt. Über eine Herz-Lungenmaschine wird dann eine hohe Dosis eines Chemotherapie-Medikaments direkt in die Gliedmaße geleitet. Gleichzeitig wird das Gewebe erwärmt (Hyperthermie), was die Wirkung des Medikaments verstärkt.
Der große Vorteil dieser Methode liegt darin, dass sie den Körper außerhalb der behandelten Gliedmaße schont. Die hochdosierte Chemotherapie wirkt nur lokal, wodurch Nebenwirkungen im restlichen Körper deutlich reduziert werden.

9. Regionale Tiefenhyperthermie (RHT)
Die regionale Tiefenhyperthermie ist ein ergänzendes Behandlungsverfahren, bei dem die Körperregion mit dem Tumor mittels elektromagnetischer Wellen auf etwa 40-44 Grad Celsius erwärmt wird. Diese kontrollierte Erwärmung schwächt die Krebszellen und macht sie anfälliger für andere Behandlungen wie Strahlen- oder Chemotherapie. Zusätzlich werden durch die Erwärmung Eiweiße aus dem Tumor freigesetzt, die das Immunsystem gegen die Sarkomerkrankung aktivieren können.
Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die Kombination von Tiefenhyperthermie mit anderen Behandlungen die Wirksamkeit der Therapie verbessern kann. Sie wird besonders vor und nach der Operation von Hochrisiko-Sarkomen eingesetzt- immer in Kombination mit Chemo- und/oder Strahlentherapie. Eine alleinige Hyperthermiebehandlung ist nicht sinnvoll.
Die Behandlung sollte qualitätsgesichert durch spezielle Antennesysteme erfolgen. Über die notwendige Ausstattung und entsprechende Qualitätssicherung verfügen nur wenige Zentren in Deutschland. Wenn ein Sarkomzentrum die RHT nicht selbst anbietet, arbeitet es mit einem qualifizierten Hyperthermiezentrum zusammen.
10. Klinische Studien
Klinische Studien sind sorgfältig geplante wissenschaftliche Untersuchungen, die die Wirksamkeit und Sicherheit neuer Behandlungsansätze prüfen. Sie sind der einzige Weg, um Fortschritte in der Therapie von Sarkomen zu erzielen und neue, innovative Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln, die später allen Betroffenen zur Verfügung stehen können.
Diese Studien werden streng überwacht und die Teilnahme ist immer freiwillig. Viele große Sarkomzentren nehmen an Studien teil und sind mit anderen Zentren vernetzt, die verschiedene Studien anbieten.
Wann immer im Rahmen der Betreuung von Sarkompatientinnen und -patienten eine Therapieentscheidung ansteht, wird an unserem Sarkomzentrum geprüft, ob die Möglichkeit zur Teilnahme an einer klinischen Studie besteht. In diesem Fall klären wir Sie ausführlich über die Ziele der Studie sowie die Vor- und Nachteile einer Teilnahme auf.